Forum > Business > Merinowolle vom Filzen abha...
WildeWebe 31.10.2009 02:25Komische Frage, werdet ihr vielleicht denken, aber es geht um folgendes : Ich habe Boa-Armbänder gemacht. Man soll es nicht vermuten, Die Boa ist eine gewebte Struktur ! Wie die aussehen könnt ihr auf meinem Shopbanner sehen. Dort ist eins zum Thema Kitsch abgebildet.
Sie sind ein Ergebnis meiner Abschlußarbeit für Gestaltung und ich würde sie sehr gern anbieten. Der Kuschelige Teil der Boa ist aus Merinokardenband hergestellt. Ich trau mich nicht, weil sie schon beim Tragen leicht anfilzen ,nicht so, daß man sie nicht mehr tragen könnte, aber doch so, das sie ihre Form verändern. Sie sind dann nicht mehr so "stachelig". Ich habe selbst eins, das ist eingefilzt, aber trotzdem cool, ich trage es nach wie vor gern. Man könnte also sagen, das Einfilzen paßt es an die Trägerin an.
Doch was ist mit der Pflege ? Natürlich, es ist textiler Schmuck, aber trotzdem würde ich gern Pflegeempfehlungen geben. Und auch ein Verhindern des Filzens beim Tragen, fände ich gut, ich könnte dann behandelt oder nicht behandelt anbieten. Aber ich weiß nicht, was ich tun könnte. Hat irgendwer eine Idee ?
wolltraum_wolle 31.10.2009 09:15hallo,
kardenband kann nicht vom filzen abgehalten werden. es wird zum spinnen oder zum filzen hergestellt bzw benutzt. ein nicht-verfilzen erreicht man nur durch indusrielle verarbeitung von wolle, welche dann eine superwash-ausrüstung erhält.
das verfilzen entsteht durch "bewegung". da ein haar nicht glatt ist, verfangen sich mit jeder bewegung die kleinen natürlichen haken von wolle ineinander, was den filzeffekt ergibt.
wenn du z.b. immer ein teil der "stacheln" zwischen den fingern zusammendrehst erhälst du einen stachelarmband, welches die stacheln auch behält. durch feuchtigkeit schrumpft das ganze beim drehen noch etwas ein.manuela von wolltraum
WildeWebe 31.10.2009 22:07Ja danke Wolltraum_Wolle. Wie das mit der Wolle funktioniert, und warum sie filzt ist mir schon klar ;)). Auf die Idee anzufilzen bin ich auch schon gekommen, würde den Charakter aber sehr verändern und wäre nicht mehr kuschelig, sondern insgesamt fester, massiver. Ich hab' echt gesucht, aber kein anderes Material gefunden, das so einen weichen, angenehmen, leichten Flausch bietet. Tierhaare, die nicht filzen,wie z.B. Mohair oder Alpaka eignen sich nicht, weil die Fasern dann ausgezogen werden können. Kaschmir war die völlige Katastrophe. Eventuell würde Seide funktionieren durch die sehr lange Faserlänge. Ist nicht so mein Material. Noch 'nen Vorschlag ?
wolltraum_wolle 31.10.2009 23:34hast du es schon einmal versucht mohair zu "federn".
keine angst - das mohair wird nicht ausgezogen - ich bürste mohairsachen z.b. mit einer tierfellbürste, damit es flauschig wird. je nach mohair hast du da eine faserlänge von bis zu 8cm.
durch das weben ist der hauptfaden ja recht fest - ich denke das funktioniert. bei bedarf reicht dann ein "aufbürsten".
aufgrund der festen grundstruktur vom weben, würde ich aber nicht bürsten sondern primär "federn" wie es die kürschner tun
WildeWebe 01.11.2009 00:14Das mit dem Federn erklär mir doch bitte nochmal, das ist mir neu.
Ausbürsten würde funktionieren, wenn es sich um ein "normales" Gewebe handeln würde, aber in diesem Fall habe ich nur 6 Kettfäden als Seele, die klemmen alles ein. Das hält durchaus ziemlich fest, man kann nicht einfach so etwas rausziehn, aber es steht in alle Richtungen ab. Wie eine Raupe. Man müßte also jedes einzelne Strängchen ausbürsten. Außerdem sind in dem Armband noch sehr viele andere Materialien, wie Vorfilz, Wollfilz, Bänder, Perlen auf Draht, ect. Ich stell mir das echt schwierig vor. Bürsten könnte ich eigentlich nur vor dem Einlegen. Ich webe diese Armbänder auch nicht mit dem Schiffchen, sondern mit den Fingern.
In der Experimentierphase habe ich es mit Mohair versucht, aber das war irgendein alter Rest, vielleicht sollte ich mir nochmal welches zuschicken lassen, es sollte aber kein Garn sein, sondern gerne ein Kardenband. Denn womit ich es versucht habe, das hatte eher die ungekämmte Struktur von einem Flies.
Für jeden weiteren Tipp bin ich offen. Das Material muß weich, leicht, duftig sein.
wolltraum_wolle 01.11.2009 00:46als "federn" bezeichnet man in der Kürschnerei wenn langes Fell, welches durch div prozesse auf der innenseite statt der aussenseite ist rausgezogen wird. bei einem langhaarmohair, kann sehr gut den hauptfaden und den moheirflor unterscheiden. in mühseliger arbeit kann man da mit einer nadel (mit runder spitze) druntergehen und den Mohairflor rausziehen. dadurch steht er wunderbar ab und du könntest selber "dosieren" wieviel mohairflor eingewebt bleiben soll und wieviel raus soll um flauschig abzustehen. ob es wirklich funktioniert kann ich nicht garantieren - wäre nur eine idee. beim stricken wird der mohairflor ja auch mit eingestrickt und nur recht kurze haare stehen hervor. durch das aufbürsten hole ich den flor hervor und alles steht flauschig ab. beim bürsten würdest du evtl das andere kaputt machen, aber beim ferdern siehst du ja was du rausziehst. dem mohair schadet so eine behandlung allerdings nicht - da sind handelsübliche mohairbürsten schon fast zu "zart". wenn du auf unserer hp (www.wolltraum.de) auf den button "fetisch" und dann "balaclavas" schaust, klickst du mal die fotos von den balaclavas in nationalfarben an (am deutlichsten wird es bei frankreich), da siehst du erst unaufgebürstet und wenn du weiter runter scrollst aufgebürstet. vielleicht hilft dir das
WildeWebe 01.11.2009 01:09Trotzdem handelt es sich hierbei immer noch um eine geschlossene Fläche. Guck Dir doch bitte mal mein Shopbanner an. Das Rosa Ding da ! Da ist nichts mehr geschlossen.
Übrigens bürste ich Mohairschals mit einer Hundedrahtbürste aus. Natürlich einer nicht am Hund gebraucten. ;D
wolltraum_wolle 01.11.2009 08:52eine geschlossene fläche würde es beim federn nicht ergeben - das kommt erst beim bürsten - ich suche nachher mal etwas nicht gebürstetes raus und werde da mal etwas "federn" - maile dir das bild dann mal rüber....ich meine es müsste auch wie "stacheln" rauskommen. das gebürstete wird ja auch stachelig, wenn es im gebrauch ist und nur durch aufbürsten hat es wieder den geschlossenen flausch
nonSens 01.11.2009 21:00Ich bin leider beim Filzen nicht so der Crack, aber vielleicht helfen Dir ja meine spontanen Ideen:
Krauseminzwasser: Das glättet z.B. Leinen sehr gut, da es die Fasern glättet - ich habe es leider noch nicht ausprobiert...
Manchmal hilft auch Haarspray, das die menschl. Haare entwirren soll beim Föhnen, das lässt die Haarstruktur evtl. auch länger geschlossen.
WildeWebe 02.11.2009 01:26@ nonSens Danke. Das klingt spannend. Hast Du eine Konzentrationsangabe für die Kraus Minze ?
@wolltraum Es gibt keine Fläche !! Denke an eine Federboa. So ist die Struktur von meinen Armbändern.
EmmaSommerfeld 02.11.2009 11:38Hallo -
nicht jede Wolle filzt so stark wie Merino, wenn Du vielleicht eine andere Fasersorte nimmst, würde die Reaktion möglicherweise nicht so heftig sein (ich glaube, Waldschaf z. B. filzt nicht so sehr). Möglich wäre vielleicht auch, die Merinowolle zusammen mit etwas Nicht-filzendem wie Seide zu kardieren und dann zu verwenden. Oder die langen Puschel aus eingearbeiteten Locken vom Schaf machen ...
LG
WildeWebe 02.11.2009 23:55Mit Locken vom Schaf habe ich schon mal experimentiert. Da hast Du recht, die Filzen quasi nicht. Die meiste nicht filzende Wolle ist sehr hart, aber ich kenne bestimmt nicht alle 400 Schafrassen.
Deshalb fällt jemandem eine wenig filzende Wolle ein, die leicht und duftig ist ? Gar nicht filzend wie z.B. Mohair ist auchproblematisch, zu wenig Halt.
EmmaSommerfeld 03.11.2009 07:07... und wenn Du Gar-nicht-filzendes wie Mohair mit Merino zusammen kardierst und das dann nimmst? Dann müsstest Du doch das Beste von beiden Seiten haben - ich habe auf meinem Spinnrad eine Woll-Mohair-Mischung, das könnte gehen ...
Bohemia1973 03.11.2009 08:25Also ich muß grad mal was aus Kundensicht los werden: ich mags nicht, wenn sich Sachen nach dem Kauf deutlich verändern. Und wäre dann sicher enttäuscht, wenn es verfilzt.
Deshalb werden meine Stoffe auch alle vorgewaschen und in den Trockner gesteckt (soweit es die Faser zuläßt), damit am Ende nicht noch deutliche Veränderungen eintreten.
WildeWebe 03.11.2009 23:32@Bohemia1973
Genau darum geht es mir. Ich habe zwar auch schon Stimmen gehört, die die getragene und angefilzte Variante schöner finden, (Ich habe mein "Erstlingsstück" schon reichlich getragen, als die "Frische", aber ich finde auch, die Kundin muß über eventuelle Veränderungen informiert werden, so das sie sich ein Bild davon machen kann, oder der Zustand muß stabilisiert werden.
Ich wasche alle meine Textilien, bevor ich sie abgebe, bis auf die diskutierten Armbänder. Und ich bin da eher ruppig. Frei nach dem Lehrsatz meines ersten Lehrers, sei lieber ein bißchen grob bei der Nachbehandlung, denn was Dir passiert, passiert Deinem Kunden nicht mehr.
Ich habe einen sehr hohen Qualitätsanspruch. Die Boa Armbänder sind bei meiner Gestalterprüfung mit sehr gut bewertet worden, meine Arbeit war die Beste des Semesters, trotzdem bin ich immer noch nicht der Meinung, das sie gut genug wären, vermarktet zu werden. Die Verschlußfrage hat mich lange beschäftigt und eben das Einfilzen.
@EmmaSommerfeld
Genau darüber habe ich auch schon nachgedacht und wahrscheinlich ist es auch die beste Lösung. Allerdings habe ich kaum Erfahrung mit dem Kardieren, weil ich selbst nicht spinne. Zudem müßte ich mein Material dann wahrscheinlich nur in Natur kaufen und selbst färben. ;) Cellulosefasern färbe ich bereits, aber ich müßte mich doch in ein relativ fremdes Gebiet neu einarbeiten. Und gerade bin ich ungeduldig und suche nach einer schnelleren Lösung, aber wahrscheinlich muß ich doch den langen Weg gehen. *seufz* ;))
FilzAlLueren 04.11.2009 11:16Und wenn Du die Veränderung bereits in der Artikelbeschreibung ausführlich einbeziehst und ein Foto von Deinem lange getragenen Teil als Beispiel dazustellst? Du schreibst ja selbst, dass manche Kundinnen die angefilzte Variante sogar lieber mögen!
nonSens 04.11.2009 13:42Hallo nochmal,
zu Deiner Rückfrage, ob ich eine Konzentrationsempfehlung für die Krauseminze habe - leider nein, habe bislang auch noch keine Erfahrungswerte. Es kam mir nur so in den Sinn, da mal eine Kursteilnehmerin von mir erwähnte, dass Krauseminze "ihr Geheimrezept" ist.Was ist denn, wenn Du hochwertige Microfaser mit einarbeitest?
Sie fühlt sich auch sehr weich an und verfilzt an sich nicht, würde sich aber mit echter Wolle sicherlich einfilzen lassen.lg Carmen
WildeWebe 04.11.2009 21:50@nonSens wahrscheinlich ist die Idee mit der Microfaser gut, ich fasse das Material nur ganz ungern an und kann man das auch in Spinnvorbereitungsphasen kriegen ? Also Flocke oder Kardenband ?
Ich arbeite jetzt schon nicht filzende Materialien mit ein, Effektgarne, Filz, Textilbänder, Leinenfäden, das Merino filzt munter drum herum. Wäre es eventuell möglich, das Du Deiner Kursteilnehmerin von meinem Problem erzählst ? Vielleicht magsie Kontakt zu mir aufnehmen ?
@FilzAlLueren Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Und wahrscheinlich sollte ich mich einfach mal trauen. An diesem Thema Boa - Neuinterpretation habe ich ein halbes Jahr gearbeitet.
Vielleicht habe ich Lampenfieber ?
